Tan Ajahn Kor Khao-suan-luang

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Tan Ajahn Kor Khao-suan-luang

 

Eine grundlegende Orientierung fürs Leben

 

 

Das bei weitem Wichtigste in unserem Alltag als Praktizierende des Dhamma ist das Einhalten der Silas[1] als auch sich in einem Maße um sie zu bemühen, welche die Sorge um unser eigenes Leben übersteigt. Das heißt: Sie auf eine Art zu pflegen, die die Edlen[2] loben würde.

Sollten Sie nicht jene Achtung den Silas entgegenbringen, werden all jene Laster, die diesen Tugenden widersprechen, zu Ihren täglichen Gewohnheiten werden.

Meditierende die glauben, dass das Brechen eines Silas etwas Unbedeutendes und Nebensächliches sei, verderben sich ihre gesamte Praxis. Wenn sie nicht einmal diese grundlegenden Stufen des Dhamma einhalten können, wird dies all jene Qualitäten, die sie in den darauf aufbauenden und nachfolgenden Ebenen ihrer Praxis zu erreichen gedenken, ruinieren. Aufgrund dessen müssen Sie die Silas als das Fundament ihrer Praxis betrachten und all jenes achtsam aufspüren, was in Ihrem Verhalten diesen widerspricht. Erst dann werden Sie aus Ihren Bemühungen die verschiedenen Leiden & Schwierigkeiten mit immer größer werdender Präzision aufzulösen, Nutzen ziehen.

Sollte Ihr Verhalten jedoch schlicht Begierden und Anhaftungen folgen – welche aus einem Glauben an ein „Selbst“ entspringen, dass keinerlei Furcht vor den Feuern der Unreinheiten (Kilesa) empfindet – werden Sie mit Sicherheit weiterhin in diesem als auch in den darauffolgenden Leben Leiden erfahren müssen. Ihre Praxis wird zweifelsohne Tag für Tag, weiter und weiter verfallen, sollten Sie nicht schon bei dem Gedanken an schäbige und unheilsame Handlungen Scham empfinden und große Furcht vor deren nachfolgenden Konsequenzen entwickeln.[3]

Wenn Menschen ohne jegliche moralische Orientierung leben – gar ohne die grundlegende Richtschnur der Silas – gibt es keine Möglichkeit für sie, Reinheit und Vervollkommnung zu erlangen. Wir müssen uns selbst überprüfen: Auf welche Weise entsprechen wir nicht in Gedanken, Worten und Taten den Silas? Lassen wir die Dinge einfach geschehen und sind nicht darum bemüht uns selbst und den Schaden zu untersuchen - der aus dem Brechen der Tugendregeln entsteht, wenn wir unseren Geistestrübungen nachgeben - dann werden unsere Praxisbemühungen nur immer weiter zerfallen können. Anstatt die Unreinheiten des Geistes als auch unser Dukkha aufzulösen, werden wir der Kraft unserer Anhaftungen erliegen. Wenn dies der Fall sein sollte, müssen wir überlegen: Welcher Schaden ist entstanden? Wieviel Freiheit haben wir verloren? Das sind die Dinge, die wir ergründen sollten. Haben wir dies getan, so wird unsere Praxis der Einsichtnahme in die wahrhaft wichtigen Prozesse unseres "Selbst" stabile Resultate bewirken, anstatt sich in Nonsens zu verlieren. Deshalb müssen wir stets dann, wenn Unreinheiten auf welche Weise auch immer in unseren Handlungen gegenwärtig sind, diese erfassen und sogleich untersuchen, was mit unserem Geist gerade geschieht.

Begegnen wir diesen Prozessen bewusst mit wahrer Achtsamkeit und Scharfblick, dann werden wir erkennen über wie viel Macht und welcherlei Fähigkeiten zur Vergiftung unseres Geiste diese Unreinheiten verfügen. Wir werden dann für Sie Ablehnung und sogar Abscheu empfinden, und es wird sogleich unser Anliegen sein, sie so weit wie möglich aufzulösen. Nutzen wir jedoch ebendiese Unreinheiten als unsere Basis um Phänomene (gleich welcher Art sie auch immer sein mögen) zu untersuchen, werden sie uns sagen, das alles in bester Ordnung sei! Es verhält sich dann so, wie wenn wir dazu geneigt sind, eine bestimmte Person zu mögen. Selbst wenn sie sich schlecht verhält, sagen wir: Sie ist gut! Verhält sie sich falsch, sagen wir: Sie verhält sich richtig! Das ist das Wesen der Unreinheiten! Sie behaupten, alles was wir tun und lassen sei gerecht und geben die gesamte Schuld und Verantwortung anderen Personen oder Sachverhalten. Also können wir dieser Ansicht von einem beständigen Selbst nicht vertrauen, dank dessen Verlangen und Verblendung unseren Geist beherrschen. Wir können dieser Sichtweise auf keinen Fall Vertrauen schenken!

Die Gewalt der Unreinheiten, dieses „Persönlichkeitsglaubens“ (sakkaya-ditthi), ist mit der eines Feuers vergleichbar, das ein Waldstück oder ein Haus niederbrennt: Es wird auf niemanden hören wollen, sondern weiter fortfahren zu brennen – in Dir weiter zu brennen! Und das ist noch nicht alles: Es hat stets die Absicht auch auf andere Personen überzugreifen!

Die Feuer von Dukkha und der Unreinheiten verzehren all jene, die nicht dazu bereit sind, sich selbst zu untersuchen und somit über keinerlei Mittel in ihrer Praxis verfügen, ebendiese zu löschen. Solcherlei Menschen können der Kraft Ihrer Unreinheiten nicht widerstehen, sie können schlicht nicht anders als überall dorthin zu eilen, wohin ihr Verlangen sie auch immer führen mag. Kaum dass sie angeregt werden, schon machen sie sich auf, jenen Ursachen des Anreizes nachzufolgen. Deshalb sind die Phänomene des Geistes, die in ihm entstehen sobald er von Unreinheiten angeregt wird, so entscheidend, da sie Sie dazu bewegen können, unheilsame Dinge zu tun ohne Scham und Furcht vor den Konsequenzen. Das bedeutet, dass Sie mit Sicherheit ihre Silas letztendlich brechen werden.

Folgen Sie ihren Unreinheiten, werden diese sich angenehm befriedigt fühlen – ganz so wie Brandstifter, die schadenfroh sind, nachdem sie die Häuser anderer Leute angesteckt haben. Sobald sie jemanden mit gemeinen und scheußlichen Wörtern beschimpft oder über diese Person ein böswilliges Gerücht in Umlauf gebracht haben, wird das Ihren Verunreinigungen sehr gefallen. Ihre Überzeugung ein „Selbst“ zu sein, mag dergleichen sehr, da eine Handlung in Übereinstimmung mit den Unreinheiten Gier, Hass und Verblendung ihr „Selbst“ zutiefst befriedigt. Als eine Wirkung wird dies Ihren Geist mit Lastern und Neigungen zu unheilsamen Fehlverhalten anfüllen, die den Tugendregeln entgegenwirken – all dies führt dazu, dass Sie noch in diesem Leben in höllische Daseinszustände gleiten werden ohne dessen gewahr zu werden. Also richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Macht und den Schaden, den die Unreinheiten Ihnen antun, so dass Sie entscheiden können, ob Sie sich weiterhin mit ihnen abgeben, diese weiterhin als ihre Freunde - oder besser als Ihre Feinde betrachten mögen.

Sobald falsche Ansichten oder Ideen in unserem Geist entstehen, müssen wir diese untersuchen und transformieren, so dass wir eine klare Sicht auf den gegenwärtigen Zustand unseres Geistes erlangen. Ganz gleich welche Schwierigkeiten unsere Verunreinigungen erzeugen – beispielsweise sobald wir nur noch das Fehlverhalten anderer sehen -, dann müssen wir zu uns zurückkehren und unser eigenes Inneres untersuchen! Wenn wir unsere eigenen fehlgeleiteten Handlungen erkennen und endlich zur Vernunft kommen – genau dann erhalten wir für unser Studium des Dhamma, unsere Praxis des Dhamma, die einzig wahre Belohnung.

 

 

Dieser Dhamma-Vortrag ist eine Übersetzung des Textes „A Basic Order in Life“ aus der Reihe der Wheel Publications (Ausgabe 373/374).

 

Kor Khao-suan-luang war das Pseudonym von Upasika Kee Nanayon (1910 bis 1978), einer der bekanntesten Dhamma-Lehrerinnen Thailands. Einer Thai-Tradition folgend ließ sie sich zu ihrem Pseudonym von dem Ort an dem sie lebte inspirieren: dem bewaldeten Hügel gleichen Namens in Rajburi, wo sie ein Meditationszentrum für Frauen gegründet hatte. Obwohl es Männern nicht gestattet war, dort zu leben, waren zu den allwöchentlichen Wan-Phra-Übungstagen (Halb-, Vollmondtage) Frauen wie auch Männer gleichermaßen dazu eingeladen ihren Dhamma-Lehrreden beizuwohnen. Bekannt für die Einfachheit ihres Lebensweges sowie für ihre direkte, kompromisslose Lehrweise, verfügte sie auch über eine besondere Fähigkeit Wörter und Sprache im gesamten zu nutzen – welche sich auch in ihren poetischen Werken zeigte, die weithin veröffentlicht wurden.

 

Die Fußnoten wurden mit Hilfe des Pali-Wörterbuches auf www.palikanon.com erstellt.

 

(Übersetzung: Michael Bergweiler, 2004)

 


[1] Die Tugendregeln des Buddhismus. Die fünf Silas (Pali: panca-sila) bilden die auch wesentlich in den anderen Weltreligionen als grundlegend verstandenen humanistischen Wertvorstellungen. Sie geben Antwort auf ethische Fragen wie „Was sollte ich tun und was unterlassen?“, „Was sollte ich sagen und wie?“.

 

Sie meinen das Enthalten von

1. Töten anderer Lebewesen

2. Stehlen (präziser: Nehmen, was nicht gegeben wurde)

3. leidverursachender sexueller Aktivität (egoistische Handlungen, Treuebruch)

4. übler Rede (Lügen, intrigantes Hintertragen, grobe Worte) und

5. Einnahme von das Bewusstsein manipulierender Substanzen (Alkohol und andere Drogen; in heutiger Zeit wird oft darunter auch Nikotin verstanden, obwohl dieses Gift in den Pali-Texten nicht aufgeführt wurde)

 

Diese Verhaltensnormen werden weiter verfeinert durch drei zusätzliche Silas, welche dann als die sog. „Acht Silas“ (Pali: attha-sila) es den nichtordinierten Praktizierenden ermöglichen, ein Leben zu leben, welches dem eines Mönches oder einer Nonne (Bhikkhus/Bhikkhunis) näher kommt – wenn auch nur für einen bestimmten Zeitabschnitt (bspw. auf einem Retreat).

 

Diese drei meinen das Enthalten von

6. übermäßigem Essen (keine feste Nahrung nach 12 Uhr mittags)

7. Tanz, Gesang, Musik, Unterhaltungsdarbietungen, das Tragen von Schmuck, Kosmetik und Parfum („Verschönerungen“)

8. hohen und luxuriösen Schlafstätten (als auch übermäßigen Schlafs)

Dies mag bis hin zu den zehn Silas (dasa-silas) der Novizen und Novizinnen führen (Samaneras/Samaneris). Dafür wird neben der Zugabe einer weiteren Tugendregel das siebte Sila einfach in zwei aufgeteilt, so dass wir auf insgesamt zehn Silas kommen. Der somit entscheidende Unterschied zu den acht Silas ist also das Verbot, Geld weder anzunehmen noch zu verwenden.

 

Sie meinen das Enthalten von

7. Tanz, Gesang, Musik und Unterhaltungsdarbietungen

8. dem Tragen von Schmuck, Kosmetik und Parfum („Verschönerungen“)

9. hohen und luxuriösen Schlafstätten (als auch übermäßigen Schlafs)

10. Annehmen und Verwenden von Geld

 

[2] Die „ariya-puggala“ (Pali): Jene Menschen, die aufgrund ihrer ausdauernden und tugendreinen Bemühungen den Pfad zur Erleuchtungen betreten haben („Stromeintritt“), nur noch ein einziges Mal eine Wiedergeburt zu erwarten haben („Einmal-Wiederkehrer“), die nicht wiedergeboren werden – d.h. nach dem Tode ins Nibbana eingehen werden („Nicht-Wiederkehrer“) oder die bereits jetzt schon die Erleuchtung erfahren haben („Arahats“)

[3] „hiri-ottappa“ (Pali): die Scham und Furcht vor moralischem Fehlverhalten und seiner kammischen Folge. (Anguttara Nikaya II, 7: „Zwei helle Eigenschaften, ihr Mönche, beschirmen die Welt. Welche zwei? Schamgefühl und sittliche Scheu. Wenn nämlich, ihr Mönche, diese beiden hellen Eigenschaften nicht die Welt beschirmten, so würde man da weder seine Mutter anerkennen, noch der Mutter Schwester, noch des Onkels und des Lehrers Ehefrau…“ Puggala-Pannati 79, 80: „79. Welcher Mensch gilt als „schamhaft", und was ist da „Scham“ (hirí)? Sich schämen, wo man sich zu schämen hat; sich schämen vor der Ausübung böser, schlechter Dinge: das nennt man Scham. Der von dieser Scham erfüllte Mensch aber gilt als schamhaft. 80. Welcher Mensch gilt als „sittlich-scheu“, und was ist da „sittliche Scheu“ (ottappam)? Sich scheuen, wo man sich zu scheuen hat; sich scheuen vor der Ausübung böser, schlechter Dinge: das nennt man sittliche Scheu. Der von dieser sittlichen Scheu erfüllte Mensch aber gilt als sittlich-scheu.“)


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